Eigenharn-Therapie

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Die Eigenharntherapie ist in der Naturheilkunde sehr umstritten.

Innerlich, durch Trinken oder Injektion angewandt, stellt sich sofort die Frage, warum man dem Körper die Stoffwechselgifte wieder zuführen soll, die er zuvor durch die Nieren ausgeschieden hat. Die Vertreter der Therapie verweisen hier auf eine gesundheitsfördernde Wirkung durch erhöhten Harndrang, eine Art Ausleitungsverfahren.

Die Einsatzgebiete werden von den Anhängern der Therapie sehr breit gefasst: Neurodermitis, Akne, Parodontose, Migräne, Arteriosklerose, Allergien, sogar Krebs und AIDS. Wissenschaftlich stichhaltige Untersuchungen dazu gibt es nicht.

Die Einnahme von Urin ist keinesfalls frei von Nebenwirkungen. Vorgekommen sind Durchfall, Hautausschlag, Erbrechen, Fieber und Schwächeanfälle.

Äußerlich angewandt entfaltet der Urin eine seit alters her bekannte wundheilende Wirkung. Er enthält desinfizierend wirkenden Harnstoff, der das Wachstum von Krankheitserregern verhindert. Auch viele Hautcremes enthalten Harnstoff, der Wasser an sich bindet und die Haut geschmeidiger macht.

Eine äußerliche Anwendung des Urins scheint angebrachter als eine innerliche. Problematisch ist, dass die Menge des im Urin enthaltenen Harnstoffs großen Schwankungen unterworfen ist, was eine genaue Dosierung schlecht möglich macht. Der Urin kann auch bakteriell verunreinigt sein, was zu Hautausschlägen und Entzündungen führen kann.

Harnstoff (Summenformel CH4N2O) war übrigens die erste synthetisch hergestellte organische Verbindung. Sie wurde 1828 von Friedrich Wöhler  durch Reaktion von Kaliumcyanat mit Ammoniumsulfat künstlich erzeugt. Das widersprach der damals verbreiteten Vorstellung, dass organische Substanzen grundsätzlich nur von Lebewesen durch die so genannte "vis vitalis" (Lebenskraft) hergestellt werden könnten, und ebnete den Weg für die organische Chemie.


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